Zum einen möchte ich mit diesem Blog Stigma und Vorurteile gegenüber meiner Krankheit abbauen zum anderen schreibe ich um anderen zu helfen,die vielleicht noch am Anfang solch einer Krankheit stehen,informationen darüber zu bekommen.Aber auch um mit Brainstorming,neue Erkentnisse für mich zu gewinnen,oder vieleicht durch Feedback von anderen Betroffenen neues zu erfahren,freue mich über jeden konstruktiven Kommentar.

Montag, 13. Oktober 2014

Therapeutische Aspekte
Eine isolierte Therapie des Alkoholismus Schizophrener ist nicht möglich. Priorität hat die mehrdimensionale Behandlung der psychotischen Störung. Demgemäß können traditionelle Prinzipien der Abhängigentherapie nur begrenzt übernommen werden. Das Abstinenzprinzip ist weder durchsetzbar noch sinnvoll. Supportive und edukativ-strukturierende Behandlungselemente stehen im Vordergrund. Zwar sind freundlich-bestimmte Überwachung sowie Aufklärung über die ungünstigen Alkoholwirkungen sinnvoll. Keinesfalls sollte aber Alkoholisierung zu sogenannter disziplinarischer Entlassung (bei einem hospitalisierten Kranken) führen. Gefahrvoll ist ein moralisierender Appell an den Kranken, da hierdurch seine mißtrauischabwehrende Haltung verstärkt wird. Stets ist die neuroleptische Medikation zu überprüfen. Unterdosierung kann eine ängstigende Wahnsymptomatik, Überdosierung Adynamie und Depressivität verstärken. In beiden Fällen mag der Patient in autotherapeutischer Intention einen verstärkten Alkoholkonsum entwickeln. Bei Minus-Symptomatik kommt unter Umständen die zusätzliche Gabe eines Antidepressivums (7) in Betracht. Der Einsatz von Disulfiram oder Methadon hat sich nicht bewährt. Der Gebrauch von Anticraving-Substanzen kann noch nicht abschließend beurteilt werden.
Da der Alkoholgebrauch häufig als Indikator unzulänglicher sozialer Integration fungiert, ist gleichfalls nach einer Optimierung psychosoziotherapeutischer und rehabilitativer Maßnahmen zu fragen. Die Entlastung einer konfliktträchtigen Familiensituation durch Angehörigenarbeit, die Schaffung einer wohnlichen Unterkunft und das Angebot einer sinnvollen Beschäftigung wirken sich günstig auf die schizophrene Erkrankung wie auch auf den komplizierenden Alkoholgebrauch aus. Träger betreuter Wohneinrichtungen sollten angehalten werden, auch Schizophrene mit begleitendem Substanzgebrauch zu akzeptieren.
Der Besuch von Alkoholikerselbsthilfegruppen ist nicht anzuraten. Mitmenschliche Nähesituation, interaktioneller Konfliktdruck und ablehnende Einstellung der Gruppen gegenüber medikamentösen Therapiestrategien wirken sich belastend aus. Empfehlenswert ist hingegen der Einsatz psychoedukativer Techniken, welche den Patienten zu angemessener Krankheitsbewältigung, zur Früherkennung von Symptomen, zu rechtzeitiger Inanspruchnahme von Hilfe und adäquatem selbständigen Gebrauch neuroleptischer Medikation befähigen sollen. Auf diese Weise entgeht man der Gefahr, den Alkoholgebrauch als "Fehlverhalten" zu stigmatisieren, und eröffnet dem Kranken die Möglichkeit, seine risikohaften Problemlösestrategien durch alternatives Bewältigungsverhalten zu ersetzen.

Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1997; 94: A-596-597
[Heft 10]

Kommentare:

Frank Lavario hat gesagt…

Ihr leistet wirklich einen Mega-Job. Alkoholprobleme sind schon schwer genug zu lösen, aber das ganze auch noch im Gesamtspannungsfeld ADHS, Depressionen, Schizophrenie... puuh! Ich möchte nur eines - vielleicht ein ganz klein wenig Aufmunterndes - dazu beitragen. Dass das Abstinenzprinzip nicht durchsetzbar ist, muss nicht tragisch sein. Das Abstinenzprinzip ist in Deutschland zwar immer noch das einzig propagierte Ziel einer Alkoholsucht-Therapie, im Ausland sieht man dies allerdings deutlich kritischer. Es wandelt sich gerade etwas in der Behandlungslandschaft, wenn auch ganz langsam. Man kann nicht länger ignorieren, dass Therapien mit dem Ziel Abstinenz zu 90% scheitern (und 90% aller Menschen mit Alkoholproblemen AUCH wegen des Abstinenzdiktats erst gar keine Therapie beginnen - also 99% aller Menschen mit Alkoholproblemen gar keine erfolgreiche Behandlung erfahren). Spiegel Online hat darauf hingewiesen, dass Therapien mit dem Ziel des reduzierten Trinkens / kontrollierten Trinkens wesentlich erfolgversprechender sind und in den USA, Australien, Neuseeland... auch schon regelmäßig angewandt werden. Insofern stimme ich auch dem Teil des Blogbeitrag zu, in dem gesagt wird, dass die Teilnahme an Selbsthilfegruppen, wo ebenso noch das Diktat der totalen Abstinenz gepredigt wird, wenig sinnvoll ist.

Peter Pan im Wunderland hat gesagt…

Danke für den interessanten Kommentar